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Wildwechsel im Harz: Gefahren erkennen und richtig reagieren

Der Harz ist mit seinen ausgedehnten Wäldern und zahlreichen Wildtieren ein beliebtes Ziel für Autofahrer, Wanderer und Naturliebhaber. Doch gerade auf Straßen, die durch oder entlang von Waldgebieten führen, besteht eine besondere Gefahr: Wildwechsel. Rehe, Hirsche, Wildschweine und andere Tiere können unvermittelt auf die Fahrbahn laufen und schwere Verkehrsunfälle verursachen.

Was bedeutet Wildwechsel?

Unter Wildwechsel versteht man das Überqueren einer Straße durch freilebende Wildtiere. Besonders häufig sind davon Rehe, Hirsche und Wildschweine betroffen. Für Autofahrer kommt die Gefahr häufig überraschend, denn die Tiere bewegen sich schnell und können innerhalb weniger Sekunden auf der Fahrbahn erscheinen.

Ein wichtiges Problem: Wo ein Wildtier die Straße überquert, können weitere Tiere folgen. Rehe beispielsweise sind häufig in Gruppen unterwegs. Wer nach der Sichtung eines Tieres sofort wieder beschleunigt, kann deshalb einem zweiten oder dritten Tier begegnen.

Wann ist die Gefahr besonders groß?

Wildwechsel kann grundsätzlich zu jeder Jahreszeit auftreten. Es gibt jedoch Zeiten, in denen das Risiko deutlich erhöht ist.

Morgen- und Abendstunden

Besonders aufmerksam sollten Autofahrer in der Dämmerung und während der frühen Morgen- und Abendstunden sein. Viele Wildtiere sind zu diesen Zeiten besonders aktiv. Gleichzeitig ist die Sicht für Autofahrer schlechter.

Frühjahr und Herbst

Auch die Jahreszeit spielt eine wichtige Rolle. Im Frühjahr sind viele Tiere auf der Suche nach Nahrung und neuen Lebensräumen. Im Herbst kommt es unter anderem während der Brunft zu erhöhter Aktivität.

Gerade im September und Oktober sollten Autofahrer im Harz besonders vorsichtig sein. Die kürzer werdenden Tage führen außerdem dazu, dass Berufsverkehr und Wildwechsel häufiger zeitlich zusammenfallen.

Nachts

Auch nachts besteht eine erhebliche Gefahr. Das Licht von Fahrzeugen kann Wildtiere irritieren. Manche Tiere bleiben zunächst am Straßenrand stehen oder reagieren unvorhersehbar, bevor sie plötzlich auf die Fahrbahn laufen.

Wo tritt Wildwechsel besonders häufig auf?

Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem auf Straßen, die durch Waldgebiete führen oder Waldstücke miteinander verbinden. Besonders aufmerksam sollte man an Stellen sein, an denen Wildwechsel-Verkehrszeichen aufgestellt sind.

Das Verkehrszeichen mit dem springenden Reh ist kein Hinweis darauf, dass dort lediglich gelegentlich ein Tier gesichtet wurde. Es weist auf einen Gefahrenbereich hin. Autofahrer sollten dort ihre Geschwindigkeit reduzieren und jederzeit mit einem Tier auf der Fahrbahn rechnen.

Im Harz sind insbesondere kurvenreiche Straßen durch bewaldete Gebiete problematisch. Hinter Kurven oder Kuppen können Tiere für den Fahrer sehr spät sichtbar werden.

Wie sollte man sich bei Wildwechsel verhalten?

Die wichtigste Regel lautet: Geschwindigkeit reduzieren und bremsbereit sein.

Wird ein Tier am Straßenrand entdeckt, sollte man nicht versuchen, möglichst schnell an ihm vorbeizufahren. Stattdessen sollte man das Tempo deutlich verringern und aufmerksam beobachten, wie sich das Tier verhält.

Dabei gilt:

  • Fuß vom Gaspedal nehmen
  • Geschwindigkeit reduzieren
  • bremsbereit sein
  • aufmerksam den Straßenrand beobachten
  • mit weiteren Tieren rechnen
  • unnötiges Hupen vermeiden
  • keine riskanten Ausweichmanöver durchführen

Besonders wichtig ist der letzte Punkt. Ein plötzliches Ausweichen kann gefährlicher sein als eine kontrollierte Bremsung. Wer beispielsweise einem Reh ausweicht und dabei in den Gegenverkehr gerät oder gegen einen Baum fährt, kann einen wesentlich schwereren Unfall verursachen.

Was tun, wenn ein Tier auf die Straße läuft?

Läuft Wild unmittelbar vor das Fahrzeug, sollte man sofort und kontrolliert bremsen. Gleichzeitig muss die Verkehrssituation berücksichtigt werden.

Ein starkes Bremsmanöver ist in vielen Situationen die sicherste Reaktion. Das Fahrzeug sollte möglichst stabil in seiner Spur bleiben.

Kann ein Zusammenstoß trotz Bremsung nicht mehr verhindert werden, sollte man nicht versuchen, im letzten Moment hektisch auszuweichen. Ein Zusammenstoß mit einem Reh ist zwar gefährlich, ein unkontrolliertes Ausweichmanöver kann jedoch noch gravierendere Folgen haben.

Fernlicht kann Wildtiere sichtbar machen – aber auch irritieren

Bei Fahrten durch Waldgebiete kann das Fernlicht die Sicht verbessern, sofern es die Verkehrssituation erlaubt. Gleichzeitig sollte man entgegenkommende Fahrzeuge und vorausfahrenden Verkehr berücksichtigen.

Wird ein Tier vom Licht erfasst, kann es stehen bleiben oder sich ungewöhnlich verhalten. Deshalb sollte man sich nicht darauf verlassen, dass das Tier von selbst die Fahrbahn verlässt.

Ein wichtiger Grundsatz lautet:

Sehen Sie ein Wildtier, rechnen Sie mit weiteren Tieren.

Warum sind Wildschweine besonders gefährlich?

Neben Rehen stellen auch Wildschweine eine erhebliche Gefahr dar. Aufgrund ihres Körpergewichts können Kollisionen mit ausgewachsenen Tieren besonders schwerwiegend sein.

Wildschweine sind außerdem häufig in Rotten unterwegs. Taucht ein Tier auf der Fahrbahn auf, sollte man daher keinesfalls davon ausgehen, dass die Gefahr nach dem ersten Tier vorbei ist.

Auch hier gilt: Geschwindigkeit reduzieren, bremsbereit bleiben und mit weiteren Tieren rechnen.

Was tun nach einem Wildunfall?

Kommt es trotz aller Vorsicht zu einer Kollision, sollte zunächst Ruhe bewahrt werden.

Die wichtigsten Schritte:

  1. Fahrzeug sicher zum Stillstand bringen.
  2. Warnblinkanlage einschalten.
  3. Unfallstelle absichern.
  4. Bei Bedarf die Polizei bzw. zuständige Stelle verständigen.
  5. Abstand zum verletzten Tier halten.
  6. Das Tier nicht einfach mitnehmen.
  7. Die weiteren Anweisungen der zuständigen Stellen beachten.

Ein verletztes Wildtier kann sehr unberechenbar reagieren. Auch ein scheinbar ruhiges Reh sollte deshalb nicht angefasst werden.

Was passiert mit dem angefahrenen Tier?

Ist das Tier nach der Kollision noch am Leben, sollte man sich ihm nicht unnötig nähern. Die zuständigen Behörden beziehungsweise der zuständige Jagdausübungsberechtigte können sich um das Tier kümmern.

Ist das Tier weggelaufen, sollte dies bei der Meldung des Unfalls angegeben werden. Anhand von Unfallort und Spuren kann gegebenenfalls nach dem Tier gesucht werden.

Wildunfall und Versicherung

Ein Wildunfall sollte möglichst dokumentiert werden. Fotos von der Unfallstelle und den Schäden können dabei hilfreich sein. Außerdem kann eine Wildunfallbescheinigung für die Schadenregulierung relevant sein.

Welche Versicherung den Schaden übernimmt, hängt unter anderem von der Art des Versicherungsvertrags und den konkreten Umständen des Unfalls ab. Bei einem solchen Schaden sollte man deshalb zeitnah die eigene Versicherung kontaktieren.

Wildwechsel im Harz: Besondere Aufmerksamkeit auf Waldstraßen

Der Harz bietet eine einzigartige Landschaft mit großen zusammenhängenden Waldgebieten. Genau diese natürliche Umgebung bedeutet jedoch auch, dass Wildtiere Straßen regelmäßig überqueren.

Wer im Harz unterwegs ist, sollte deshalb insbesondere auf folgenden Streckenabschnitten besonders aufmerksam sein:

  • Straßen durch dichte Waldgebiete
  • Übergänge zwischen Wald und Wiesen
  • Straßen entlang von Waldrändern
  • Bereiche mit Wildwechsel-Warnschildern
  • schlecht einsehbare Kurven
  • Kuppen und Senken
  • Straßen in der Nähe von Gewässern
  • wenig beleuchtete Landstraßen

Auch wenn gerade kein Wild zu sehen ist, bedeutet das nicht, dass die Straße frei von Wildwechsel ist.

Rücksicht schützt Mensch und Tier

Wildwechsel ist eine Gefahr, die sich nicht vollständig vermeiden lässt. Autofahrer können das Risiko eines Unfalls jedoch erheblich reduzieren, indem sie ihre Geschwindigkeit anpassen und besonders in den bekannten Gefahrenzeiten aufmerksam fahren.

Gerade im Harz gilt daher:

Langsamer fahren, aufmerksam bleiben und immer mit mehreren Tieren rechnen.

Wer die Warnzeichen ernst nimmt und insbesondere in der Dämmerung sowie in bewaldeten Gebieten vorsichtig fährt, schützt nicht nur sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer, sondern trägt auch dazu bei, Wildunfälle und das damit verbundene Leid für die Tiere zu vermeiden.